Zahnheilkunde

Warum Zahngesundheit mehr ist als Mundgeruch

Veränderungen in der Maulhöhle beeinträchtigen das Wohlbefinden erheblich – und zwar lange, bevor ein Tier aufhört zu fressen. Viele Hunde und Katzen fressen mit deutlichen Schmerzen weiter, weil sie es müssen. Auffällig wird stattdessen anderes: Sie kauen einseitig, verschlucken Brocken unzerkaut, meiden Hartfutter oder sind insgesamt ruhiger geworden. Dazu kommt die Streuung von Keimen über die Blutbahn, die Infektionen an Herzklappen und Nieren begünstigen und bestehende Krankheitsverläufe verschlimmern kann.

Deshalb gehört die Kontrolle von Zähnen und Zahnfleisch bei uns zu jeder Vorsorgeuntersuchung.

Zahnsteinentfernung

Zahnstein wird in Kurznarkose per Ultraschall und mechanisch entfernt – ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes, denn was unter dem Rand sitzt, verursacht den eigentlichen Schaden. Eine abschließende Politur glättet die Oberfläche und sorgt dafür, dass sich neuer Belag langsamer anlagert.

Warum nicht ohne Narkose?

Sogenannte narkosefreie Zahnreinigungen entfernen nur den sichtbaren Belag auf der Zahnkrone. Der Bereich unter dem Zahnfleischrand – dort, wo Parodontitis entsteht – bleibt unbehandelt, und eine Beurteilung der einzelnen Zähne ist ohne Narkose nicht möglich. Das Ergebnis sieht besser aus, als es ist.

Zahnextraktionen

Lockere, frakturierte oder von Parodontitis zerstörte Zähne werden gezogen. Das klingt drastisch, ist aber fast immer die Erleichterung: Tiere, denen schmerzhafte Zähne entfernt wurden, fressen häufig schon nach wenigen Tagen besser als vorher. Bei Katzen ist die schmerzhafte FORL-Erkrankung ein häufiger Grund – sie lässt sich nur durch Extraktion behandeln.

Gebisskorrekturen bei Heimtieren

Bei Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas und Degus wachsen die Zähne lebenslang nach. Stört etwas den Abrieb, bilden sich Spitzen und Brücken, die Zunge und Backenschleimhaut verletzen. Wir kürzen und korrigieren in Kurznarkose – und besprechen mit Ihnen, was sich an Futter und Haltung ändern muss, damit es nicht in wenigen Wochen wieder so weit ist. Mehr zu Heimtieren

Was Sie zu Hause tun können

  • Zähne putzen wirkt – auch zwei- bis dreimal pro Woche bringt schon etwas
  • Früh anfangen: Welpen und Kitten gewöhnen sich problemlos daran
  • Bei Kaninchen und Nagern: unbegrenzt Heu, das ist der wichtigste Abrieb
  • Einmal im Monat kurz ins Maul schauen – Rötung am Zahnfleischrand ist das erste Zeichen

Häufige Fragen

Mein Hund hat starken Mundgeruch. Ist das schlimm?

Mundgeruch ist fast immer ein Hinweis auf bakterielle Zahnfleischentzündung, nicht auf den Magen. Eine Kontrolle lohnt sich – je früher, desto weniger Zähne gehen verloren.

Ist die Narkose für meine alte Katze nicht zu riskant?

Alter allein ist kein Narkoserisiko. Wir prüfen vorher Blutwerte, Herz und Kreislauf und passen die Narkose an. Das größere Risiko ist meist die unbehandelte chronische Entzündung.

Wie schnell frisst mein Tier nach Zahnextraktionen wieder?

Meist noch am selben Abend, anfangs mit aufgeweichtem oder weichem Futter. Schmerzmittel bekommt Ihr Tier selbstverständlich mit nach Hause.

Wie oft sollte eine Zahnreinigung gemacht werden?

Das ist sehr individuell – manche Tiere brauchen sie jährlich, andere alle paar Jahre. Wir beurteilen das bei jeder Vorsorgeuntersuchung.

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